Hintergrund

Angebote der Erstorientierung in Sachsen. Worum geht es in den Kursen?

Die Angebote der Erstorientierungskurse (EOK) richten sich an alle Asylsuchenden, die in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen wohnen. Der 315-stündige Kurs soll ihnen dabei helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, den Alltag in Deutschland zu verstehen und erste Sprachkenntnisse vermitteln.

Der Kurs Erstorientierung (EOK) umfasst 300 Unterrichtsstunden:

Bei dem Kurs auf der Grundlage des BAMF-Curriculum „Erstorientierung und Deutsch Lernen für Asylbewerber in Bayern“ steht die Verständigung auf Deutsch im Fokus. Die Teilnehmenden lernen gängige Redewendungen (z.B. zur Begrüßung), sich vorzustellen und Angaben zur eigenen Person zu machen. Für alltagsnahe Situationen in der Erstaufnahmeeinrichtungen, bei Behörden und Ärzten werden wichtige Vokabeln und Sätze vermittelt. Schließlich lernen die Teilnehmenden auch, eigene Bedürfnisse auf Deutsch zu äußern. Da in diesem Kursteil die Grundlagen für das weitere Deutschlernen gelegt werden, spielen auch die Buchstaben und Laute der deutschen Sprache sowie phonetische und grammatikalische Grundlagen eine wichtige Rolle. Die Unterrichtssprache in der sozialen Orientierung ist Deutsch. Die Lehrkräfte kommen aus dem Bereich Deutsch als Zweitsprache und verfügen in der Regel über mehrjährige Unterrichtserfahrung. In diesem Kursteil kommt ein eigens entwickeltes Arbeitsheft zum Einsatz, welches jedem Teilnehmenden zum Kursbeginn zur Verfügung gestellt wird.

In Sachsen wird der EOK des BAMF zusätzlich durch einen weiteren Kursteil ergänzt.

Der Kursteil der Alltagsorientierung wird von eigens ausgebildeten KulturmittlerInnen mit eigener Migrationserfahrung in der Muttersprache der Teilnehmenden durchgeführt und auf der herkunftsprache der Teilnehmenden durchgeführt. Dieser Kurs umfasst 15 Unterrichtseinheiten und Themen sind dabei u.a.:

  • Das Asylverfahren und der Aufenthalt in der Erstaufnahmeeinrichtung
  • Wege zur Erwerbstätigkeit und das deutsche Bildungssystem
  • Werte, Normen, Grundrechte
  • Orientierung in der Umgebung und Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel
  • Gesundheit und Umwelt

Durch den Wegfall der sprachlichen Barriere ergibt sich für die Teilnehmenden hier die Möglichkeit, Fragen zu stellen und eigene Anliegen mitzuteilen. Unterrichtsinhalte können dialogisch bearbeitet und diskutiert werden. Durch die eigene Migrationserfahrung können die KulturmittlerInnen die Situation des „Neu-Ankommens“ nachvollziehen und empathisch auf die Teilnehmdenden eingehen. So spielt diese menschliche Komponente, die den Teilnehmenden einen Raum bietet, sich zu öffnen, neben den wichtigen Inhalten auch eine entscheidende Rolle in diesem Kursteil.

Wer ist an den Erstorientierungskursen beteiligt?

Die Kursträger:

Die Koordination der Kurse vor Ort in den Einrichtungen und die Durchführung der Erstorientierungskurse wird an den sächsischen Standorten der Erstaufnahme von verschiedenen Kursträgern verantwortet:

Die Kursträger sind auch die Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtungen oder kooperieren sehr eng mit diesen. Dadurch haben sie einen  guten Einblick in die Situation vor Ort und können die Kurse bedarfsgerecht und flexibel planen, koordinieren und druchführen.

Die Landeskoordination Erstorientierung Sachsen:

Das Curriculum der Erstorientierungskurse Sachsen, welches von 2015 bis 2019 in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen angewendet wurde, wurde im Rahmen des Modellprojektes „Wegweiserkurse“ von ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. und dem sächsischen Volkshochschulverband e.V. in Kooperation mit lokalen Volkshochschulen entwickelt. Im Rahmen der Erstorientierungskurse bilden ARBEIT UND LEBEN Sachsen und der sächsische Volkshochschulverband nun die „Landeskoordination Erstorientierung Sachsen“.

Die zentralen Aufgaben dieser zentralen Koordininierungsstelle sind:

  • Aus- und Weiterbildung der KulturmittlerInnen
  • Koordination der KulturmittlerInnen-Einsätze
  • Weiterentwicklung des Curriculums und der Unterrichtsmaterialien
  • trägerübergreifende Öffentlichkeitsarbeit
  • Vernetzung und Austausch der beteiligten Projektpartner
  • Weiterbildungsangebote für die DozentInnen der sozialen Orienterung
  • Projektcontrolling und Evaluation
  • Koordinierungsaufgaben zwischen den verschiedenen Kursträgern und den Fördermittelgebern

Wer finanziert die Erstorientierungskurse?

Die Erstorientierungskurse im Umfang von 300 UE in sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen werden durch das Bundesministerium des Innern, für Heimat und Bau gefördert.

Die Alltagsorientierung im Umfang von 15 UE auf der Herkunfstsprache der Teilnehmenden wird von dem Freistaat Sachsen gefördert.